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Wer mit wem?

MEERSCHWEINCHEN
Welche Kombination passt am Besten?

 
Wie groß soll die Gruppe werden? Eine Frage, die man sich vor der Anschaffung stellen sollte. Möchte man mehr als zwei Schweinchen halten, sollte man sich gleich für ein Pärchen, bestehend aus einem Kastraten und einem erwachsenen Weibchen, entscheiden. Nach und nach können hier beliebig viele Weibchen (im Babyalter oder ausgewachsene Mädchen) in die Gruppe integriert werden. Oder man entscheidet sich für zwei Weibchen im Babyalter und gesellt ihnen später, wenn die Mädchen groß/alt genug sind (in der Regel mit 4-5 Monaten), einen Kastraten und beliebig viele Mädchen dazu. Soll es bei zwei Tieren bleiben, ist ein Böckchen-Duo ideal.

 
Kastriertes Männchen & Weibchen:
Die natürlichste Lebensart der Meerschweinchen ist die gemischte Haltung von Meerschweinchen. Mehrere Weibchen leben mit einem kastrierten Bock in einer Sippe. In dieser Gruppe können die Meerschweinchen ihr Sozialverhalten voll ausleben. Der Kastrat bringt meist Ruhe in seinen Harem. Die Weibchen sind durch seine Anwesenheit sehr ausgeglichen. Er ist der Rudelführer und die Weibchen ordnen sich unter. Neue Weibchen werden einfacher in die Gruppe integriert. Ein unkastrierter Bub sollten nicht mit Weibchen zusammen gehalten werden, da es zu unerwünschtem Nachwuchs kommt. Babybuben werden bereits mit 3 Wochen, Babymädchen mit 4-6 Wochen geschlechtsreif.

 
Abzuraten ist von einem zweiten oder weiteren Kastraten oder Böcken in der Weibchengruppe! Die Kastraten/Böcke würden um die Weibchen kämpfen, mitunter tödliche Revierkämpfe ausfechten, da jeder Kastrat seinen Harem für sich beansprucht. Beide Sippen würden ein Gehege von mindestens 10 qm benötigen und vom Halter viel Fachwissen und Fingerspitzengefühl abverlangen, daher für Laien ungeeignet!

 
Die kleinste Form der gemischten Haltung ist die Pärchenhaltung: Ein Weibchen lebt mit einem Kastraten, ebenfalls eine gute Kombination. In der Regel versteht sich das Paar gut. Es gibt keine Kämpfe oder Drohungen. Auch bei dieser Kombination sollte der Bock auf jeden Fall kastriert sein, damit es nicht zu ungewolltem Nachwuchs kommt.

 
Weibchen & Weibchen:
Auch in einer reinen Weibchengruppe herrscht eine Rangordnung, die erst einmal ausgefochten werden muss! Die Festlegung der Rangordnung unter Weibchen kann etwas länger dauern. Meist übernimmt ein Weibchen die männliche Rolle und dominiert die anderen Weibchen. Wird ein Weibchen brünstig (paarungsbereit) herrscht viel Unruhe in der Gruppe. Das brünstige Weibchen reitet bis zu 2 Tagen bei anderen Weibchen auf. Die anderen Weibchen mögen dies nicht und reagieren gereizt. Auch hier schafft der Kastrat Harmonie und die Weibchen dürfen einfach nur Weibchen sein. Bei einer reinen Weibchengruppe bekommen die Weibchen oftmals mit zunehmendem Alter Gebärmutter- und Eierstockprobleme. Untersuchungen haben gezeigt, dass solche Probleme durch einen Kastraten im Harem vermieden werden können. Daher sollte man eine gemischte Haltung (siehe oben) vorziehen! Verhaltensweisen von Weibchen, die Böcke nicht haben? Weibchen verspritzen Urin als Abwehrreaktion. Werden sie zu sehr von einem Bock oder anderen Weibchen bedrängt verspritzen sie Urin, indem sie ihr Hinterteil hochheben und spritzen!

 

 
Männchen & Männchen:
Männchen sind viel gemütlicher und friedlicher als Weibchen. Sie lassen viel lieber knuddeln als die etwas hektischeren Weibchen. Optimal lassen sich 2 Böcke zusammen halten und deren Freundschaft hält ein Leben lang. Es kann zwar mitunter im Alter von 2/ 2,5 Monaten, 6 Monaten und mit 1 Jahr immer wieder zu Rangstreitigkeiten kommen, die jedoch meisten harmlos ablaufen. Voraussetzung ist, es werden alle Regeln zur Bockgruppenhaltung eingehalten (Gehegegröße, mehrfache Ausstattung von Häusern, Heuraufen, Trinkflaschen, Futterplätzen, Alter der Böcke, kein Weibchen in der Nähe). Ein älteres Tier lässt sich fast immer mit einem Jungböckchen, das nicht älter als 6 bis 8 Wochen ist, vergesellschaften. So muss auch ein älteres Tier nicht alleine bleiben. Böcke bzw. eine Bockgruppe braucht mehr Platz! Als optimale Gehegegröße für zwei Böcke gilt eine Grundfläche von 1,5 qm. Dabei sollte das Gehege mindestens 0,80 cm tief sein und Etagen rechnen bei der Gehegegröße nicht mit!   Unter 140 x 70cm darf der Käfig/ das Gehege für 2 Buben keinesfalls sein! Sollen es mehr als 2 Buben sein hat sich die gerade Anzahl der Tiere als günstiger und harmonischer erwiesen, also 4 Böcke, 6 Böcke, 8 Böcke. Trennen sie die Böcke auch nicht nur für kurze Zeit, z.B. ein Tierarztbesuch. Leihen sie keinen Bock für eine Verpaarung mit einem Weibchen aus. Ein Böckchen, dass zu einem Weibchen durfte, wird sich meistens nie wieder mit seinem Lebenspartner verstehen - die Freundschaft ist für immer aus und vorbei! Die Männchen bekämpfen sich nach einem Weiberbesuch bis aufs Blut und können nicht mehr gemeinsam in einem Gehege gehalten werden.

Die drei Grundregeln:
1. Die Böcke sind von klein auf zusammen oder ziehen zu einem älteren Bock.
2. Sie dürfen nie getrennt werden auch nicht für einen Tierarztbesuch.
3. Es darf kein Weibchen im selben Raum leben.

 
Böcke stinken und sonstige Vorurteile: Ein zu kleiner Käfig, der zu selten frisch gemacht wird fängt an zu riechen, egal ob darin Männchen oder Weibchen gehalten werden. Das Fell der Meerschweinchen, egal ob Männchen oder Weibchen sollte nach Heu und Stroh duften! Manchmal kann es auch am Futter liegen, wenn`s mal strenger riecht... Paprika und einige Kohlsorten können Meeries oder deren Köttel anders riechen lassen. Tolle Seite zu "stinkende" Böcke und andere Vorurteile gibts bei den Salatfresserchen... www.salatgurken.net/ unter "proBock"sowie weitere tolle Infos unter Bockgruppen, Vergesellschaftung, Rappelphase

 
Mehrere Männchen oder Kastraten und ein Weibchen
Diese Gruppenzusammensetzung ist abzulehnen! Leider findet man solche Gruppen bei Kinderzimmerverpaarungen, wenn sich die Besitzer bei der Feststellung der Geschlechtern nicht auskennen und die "Familie" einfach in einem Käfig halten: z.B. Vater, Mutter, Töchter und Söhne in einer Gruppe. Die Babybuben werden bereits mit 6-8 Wochen geschlechtsfähig und werden versuchen das Muttertier zu decken. Die Schwestern werden bereits mit 4 Wochen geschlechtsreif und können als Babymädchen von den Brüdern und vom Vater gedeckt werden. Dabei entstehen Rangkämpfe, die tödlich enden können und es gibt erneut Nachwuchs!

 
Alt und Jung und verschiedene Geschlechter?
In eine größere Gruppe, bestehend aus einem Kastraten und mehreren Weibchen kann man ohne weiteres Babymädchen dazu setzen. Die Babymädchen wachsen harmonisch im Rudel auf. Unterschiedliche Altersstrukturen bringen Harmonie in die Gruppe und die sozialen Bindungen der Gruppe können in allen Facetten ausgelebt werden.  Hat man nun einen Kastraten und möchte ein Pärchen halten, sollte das Weibchen körperlich dem Kastraten gewachsen sein, also kein Babymädchen zu einem erwachsenen Kastraten, da der Kastrat das Babymädchen bedrängen wird und aufreiten möchte. Hier wäre ein ausgewachsenes Mädchen mit 4-5 Monaten oder ein älteres Weibchen besser geeignet.

 
Das Partnertier verstirbt:
Bleibt ein älteres Meerschweinchen alleine übrig, weil der Partner verstorben ist, sollte man diesem Schweinchen immer wieder einen neuen Partner dazugesellen. Ein älteres Weibchen kann wieder mit einem älteren Weibchen oder einem älteren Kastraten vergesellschaftet werden. Bei den ausgewachsenen Buben ist es etwas anders: Bleibt ein älteres Böckchen alleine, weil sein Freund verstorben ist, kann man leider nicht einfach ein gleichaltriges/älteres Böckchen zu dem vorhandenen Altbock setzen! Zwei erwachsene Böckchen bekämpfen sich in der Regel, da sich keiner unterordnen möchte. Die Böcke können sich massive Verletzungen zufügen, die tödlich enden können. Von Vergesellschaftungen unter gleichaltrigen geschlechtsreifen ausgewachsenen Böcken kann nur abgeraten werden. Ein älterer Bub, der nicht kastriert ist, sollte mit einem Babybuben vergesellschaftet werden. Der Babybub sollte nicht älter als 4-8 Wochen sein (je nach Entwicklungsstand und Charakter des Babybuben kann er auch um die 10. Woche alt sein.) In diesem Alter sind die Babybuben noch bereit sich einem erwachsenen Bock unterzuordnen. Die Vergesellschaftung läuft meist harmlos ab. Der Altbock dominiert den Babybuben durch Verfolgung und Aufreiten und das Jungböckchen ordnet sich schnell unter - der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Ist der ältere Bub noch nicht zu alt und gesund, besteht auch die Möglichkeit, ihn kastrieren zu lassen. Nach einer Wartezeit von 6 Wochen nach Kastration kann er dann als Kastrat zu einem älteren Weibchen ziehen. Möchte man keinen Babybuben mehr anschaffen, da dieser ja auch wieder eine Lebenserwartung von 5-8 Jahren hat und kann der übrig gebliebene Altbock aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr kastriert werden, sollte man das übrig gebliebene Tier dennoch nicht alleine lassen. Die Tiere trauern um ihren verstorbenen Partner und vereinsamen. Das Leben eines Rudeltieres ist ohne Rudel kein Leben und der Mensch oder ein artfremdes Tier kann den Meerschweinchenpartner nicht ersetzen! In dieser Situation sollte man den Altbock Menschen anvertrauen, die bereits sind, ihn wieder mit einem Babybuben zu vergesellschaften.

 

 

 
Vergesellschafftung
Unter der Vergesellschaftung von Meerschweinchen versteht man die Zusammenführung von Meerschweinchen, die sich noch nicht kennen. Zwei einzelne Schweinchen miteinander oder in eine Gruppe. Jede Vergesellschaftung ist einzigartig und läuft anders ab! Die Zusammenführung von fremden Tieren ist für alle aufregend: für die Meerschweinchen und für den Menschen. Die Tiere brauchen Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen und eine Beziehung zueinander aufzubauen.

 
Lautes quieken, verfolgen, drohen, anschnattern, in das Hinterteil zwicken und beißen kann zwischen ein paar Minuten und bis zu 4 Wochen andauern. Solange sich die Schweinchen keine ernsthaften Verletzungen zuziehen und nicht an Gewicht verlieren, sollte man sich nicht einmischen!

 
Springen sich die Tiere innerhalb der ersten Minuten an und verbeißen sich ineinander, was eigentlich nur ganz selten vorkommt, sollte man sofort eingreifen und den Kampf beenden, indem man vorsichtig mit einer Zeitung oder Karton zwischen die Streithähne geht und einen der Beteiligten aus dem Gehege nimmt. In solchen Fällen sollte man es eventuell mit einem anderen Partner versuchen. Daher ist es von Vorteil ein Tier dort zu kaufen, wo es eventuell auch zurück genommen wird.

 
Am besten findet eine Vergesellschaftung auf neutralem Boden statt, z.B. in einem Außengehege, in der Küche oder im Bad, wo es keine Nischen und Schränke gibt, unter denen man die Schweinchen unter Umständen nicht mehr heraus bekommt. An diesen Ort stellt man Verstecke und Häuschen mit 2 Eingängen und Futter zur Ablenkung. Nach ein paar Stunden kann man sie dann in das frisch gereinigte Gehege setzen, indem auch die Einrichtung umgestellt sein sollte. Bis sich die Tiere aneinander gewöhnt haben, sollte das Futter immer an mehreren Futterplätzen gereicht werden.

 
Das Verhalten der Meerschweinchen wird leider oft zu menschlich gesehen. Sie sehen ja so süß und putzig aus und müssen einfach ein liebes Verhalten haben. Zeigen die Schweinchen dann untereinander ein Verhalten, was diesem Bild nicht entspricht, denkt man sofort, die Schweinchen verstehen sich nicht, mögen sich nicht, das Weibchen z.B. ist eine Zicke, das neu angeschaffte Schwein ist "gemein" zu dem vorhandenen Schweinchen. So menschlich darf man nicht denken. Man sollte sich lieber immer wieder vor Augen halten, dass Meerschweinchen Rudeltiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten sind. Gut sozialisierte Schweinchen verstehen die Verhaltensregeln genau. Heranwachsende Tiere müssen zurecht gewiesen werden, wenn sie ein nicht angebrachtes Verhalten zeigen und werden vom ranghöchsten Tier aus dem Weg gejagt, nehmen sich das Futter der Rangniedrigeren, erlauben dem rangniedrigeren Tier nicht, sich zu nah an sich zu legen, etc. Bei diesen Diskussionen wird viel gequiekt und gemuhigt, es fliegt Streu oder auch mal ein Büschel Fell. Bleibt es dabei, wird man unter objektiver Betrachtung feststellen, dass außer viel Getöse nicht viel passiert. Auch hier sollte sich der Mensch nicht einmischen. Die Tiere regeln diese Angelegenheiten untereinander.

 

 

 
Kleine Kratzer und Bissverletzungen können zu Beginn einer Vergesellschaftung vorkommen. Solche kleine, oberflächliche Wunden sollten täglich, bis zur Abheilung versorgt werden. Zum Desinfizieren eignet sich eine Tinkur oder Salbe von Betaisodona, aus der Apotheke, die man mit einem Wattestäbchen auftupft. Danach kann man noch einen Tropfen Surolan, vom Tierarzt, auf die Stelle geben. Die Wunden sollten täglich kontrolliert werden, da sich durch so einen winzige Bissverletzung ein Abszess (Eiteransammlung, fühlbar als Knubbel mit einer Größe von einem Kirschkern bis zu einem Taubenei) bilden kann, was nicht selten bei Meerschweinchen vorkommt. Abszesse sollten von einem Tierarzt behandelt werden. Meist ist nach einer heftigen Auseinandersetzung die Rangordnung geklärt und die Streithähnchen gehen danach friedlich miteinander um.    

 
Leider greifen die Menschen oftmals zu früh ein, da sie eine Vergesellschaftung zu menschlich betrachten und die Tiere aus Mitleid trennen, bevor sie ihre Rangordnung klären konnten. Bevor man in eine Vergesellschaftung eingreift oder sie gar als gescheitet sieht, sollte man sich bei erfahrenen Menschen, z.B. beim seinem Züchter Rat holen. Gemeinsam kann immer eine Lösung gefunden werden.

 

 

 
Tierärztliche Betreung

 
Frühkastration
Nachdem Meerschweinchenböcke schon ab einem Gewicht von 250g fruchtbar sein können, können junge Böckchen schon vor diesem Gewicht kastriert werden. Das hat den großen Vorteil, dass sie bei Mutter und Schwestern bleiben können und somit keine Trennung notwendig wird. Besonders bei unerwartetem Nachwuchs ist dies empfehlenswert, wenn keine Möglichkeiten vorhanden sind, den Jungböcken bei eintretender Geschlechtsreife zu einem oder mehreren erwachsenen Böcken zu vergesellschaften.

 
Kastration bereits geschlechtsreifer Meerschweinchenböcke
Die normale Kastration findet ab einem Gewicht von 300g statt, viele Tierärzte kastrieren auch erst später, was eigentlich nicht notwendig ist, denn das Narkoserisiko gesunder Meerschweinchen ist nicht vom Alter abhängig bzw. wird von jüngeren Tieren meist besser verkraftet. Oft liegt der Grund für die Ablehnung einer Frühkstration in schlecht zu erkennenden Hoden und dadurch erheblich erschwerter Arbeit und zusätzlichem Aufwand für den Tierarzt.

Nach einer normalen Kastration muss der Bock mindestens sechs Wochen von allen Weibchen getrennt bleiben, bis er sicher nicht mehr fruchtbar ist. Die Gesellschaft anderer Böcke hingegen ist zur Vermeidung von Vereinsamung für einen Kastraten wichtig.
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